N.T. Wright: Von Hoffnung überrascht. Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt.

Mit seinem etwa 300 Seiten umfassenden Werk „Von Hoffnung überrascht“ räumt N. T. Wright mit traditionellen christlichen, jedoch nicht unbedingt biblischen Vorstellungen über die Bedeutung von Erlösung, ewigem Leben und Auferstehung auf.
Eine seiner Kernaussagen möchte ich gleich zu Anfang vorstellen:
„Erlösung heißt also nicht: „in den Himmel gehen“, sondern: „im neuen Himmel und der neuen Erde Gottes zum Leben auferweckt werden“. Doch sobald wir die Sache so formulieren, erkennen wir, dass das Neue Testament voller Hinweise, Andeutungen und unverblümter Aussagen dahingehend ist, dass diese Erlösung nicht etwas ist, das in ferner Zukunft liegt und auf das wir warten müssen. Wir können sie hier und jetzt genießen (natürlich immer nur teilweise, da wir alle immer noch sterben müssen), indem wir das, was in der Zukunft kommen wird, in der Gegenwart schon authentisch aufblitzen lassen.“ (S.212)
Wright erläutert, dass die westlichen Christen oft sehr geprägt von platonischen Weltanschauungen sind, welche streng zwischen einem sterblichen Körper und einer unsterblichen Seele unterscheiden. Diese Vorstellung sei aber nicht mit der Bibel vereinbar. So verweist der Autor auf Römer 8, 9-11 und 1. Johannes 3,1 f. als beispielhafte Belege dafür, dass das biblische Verständnis von Auferstehung stets auch die Transformation des Körpers, also das Erhalten eines unvergänglichen Geistes und Körpers beinhaltet.
Dabei unterscheidet N.T. Wright zwischen Auferstehung und dem Leben direkt nach dem Tod. Letzteres setzt er mit Begriffen wie „Himmel“ oder „Paradies“ gleich: „Alle verstorbenen Christen sind substantiell im gleichen Zustand, im Zustand erholsamen Glücks. […] Dieser Zustand ist ganz klar noch nicht die letztendliche Bestimmung der Christen, die, wie wir sahen, in der körperlichen Auferstehung besteht. Aber es ist ein Zustand, in dem die Toten in der bewussten Liebe Gottes und der bewussten Gegenwart Christi festgehalten werden, während sie auf jenen Tag warten.“ (S. 186)
„Auferstehung“ hingegen sei als „Leben nach dem Leben nach dem Tod“ (S.162) zu verstehen, als etwas, das an dem Tag geschieht, wenn „wenn Jesus erscheint“ (1. Johannes 3,1) bzw. zurückkommt, wenn er auch die Körper zu neuem, unvergänglichem Leben erweckt und die gesamt Schöpfung erlösen wird. Der Autor bezieht sich auf Römer 8, wo beschrieben wird, wie mit uns die gesamte Schöpfung auf die Erlösung wartet. Hier wird das Bild von Geburtswehen gebraucht: „Wir wissen ja, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und insgesamt in Wehen liegt bis jetzt.“ (Römer 8,22), was Wright als Beleg dafür benennt, „dass er [Paulus] eben nicht die Aufhebung der Schöpfung […] im Sinn hat, sondern die drastische und dramatische Geburt der neuen Schöpfung aus dem Mutterleib der alten.“ (S. 116)
Zudem erwähnt der Autor die Metapher der Hochzeit von Himmel und Erde in Offenbarung 21-22 als Bild dafür, dass Jesus am Tag der Auferstehung Himmel und Erde vereinen wird; der Himmel kommt zur Erde (in der Metapher kommt das neue Jerusalem als Braut herab) und die gesamte Schöpfung wird erlöst (S. 116).
Mit dem zu Beginn genannten Verständnis von Erlösung fügt sich nun alles zu einem Bild zusammen: N.T. Wright weist darauf hin, dass Jesus vorhat, nicht nur einzelne Menschen seelisch und körperlich zu erlösen, sondern, dass er den gesamten Kosmos wiederherstellen, transformieren und erlösen will. Er plant nicht – wie es in einigen konservativen christlichen Kreisen gern angenommen wird – einfach die gesamte Schöpfung zu vernichten und etwas Neues zu schaffen, sondern er will diese Schöpfung, die er mit Liebe geschaffen hat, verändern und wiederherstellen und sie zur neuen Erde umzugestalten.
Und wenn nun noch berücksichtigt wird, dass Gottes Reich bereits angefangen hat, zu wachsen, dass Erlösung bereits begonnen hat, dann ist N.T. Wrights Verständnis von Umweltschutz, Politik, sozialem Engagement, Mission, gesundheitlicher Hilfe, usw. nur allzu nachvollziehbar: Gott hat uns erlöst und möchte mit uns seine Wiederherstellung der gesamten Schöpfung bereits beginnen und die Transformation sichtbar werden lassen. Wenn wir dieser Welt Gutes tun – sei es durch Umweltschutz, durch den Einsatz für gleiche Bildungschancen, als Ärzte ohne Grenzen oder was auch immer – dann setzen wir damit Zeichen für das Große, das Gott tun will. Wir antizipieren die Erlösung, die Gott der gesamten Schöpfung zuteil werden lassen will:
„Wenn Gott im gegenwärtigen Leben Menschen erlöst […], dann sind solche Menschen dazu gedacht […] ein Zeichen und ein Vorgeschmack auf das zu sein, was Gott mit dem gesamten Kosmos tun will […] sie sollen Teil der Wege sein, auf denen Gott diese Erlösung sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft Wirklichkeit werden lässt.“ (S. 215)

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Phil Mertens
    Okt 04, 2011 @ 14:50:46

    Danke für Deine Zusammenfassung. Habe interessanterweise über genau das Thema und unter Mithilfe von N.T. Wright ’ne Seminararbeit über christlichen/protestantischen Fundamentalismus geschrieben.

    Antwort

  2. theoundco
    Okt 05, 2011 @ 08:53:27

    Klingt spannend, schickst du sie mir mal?
    Übrigens, wollten wir nicht noch einen Austausch über „Gemeinsames Leben“ starten?

    Antwort

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